Ein Funker aus Leidenschaft

Ein Interview mit Falko Kohorst

  1. Lieber Herr Kohorst, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben. Wo kommen Sie her und was machen Sie beruflich?

Seit über 20 Jahren wohne ich mit meiner Familie in Starsiedel, komme aber ursprünglich aus Sachsen. Ich bin als Pflegekraft in der Anästhesieabteilung im OP in einem Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung tätig.

  1. Wie sind Sie zum Funken gekommen?

Nach der Schule habe ich eine Berufsausbildung zum Elektromonteur absolviert. In der DDR waren die Lehrlinge in der „Gesellschaft für Sport und Technik“ zur vormilitärischen Ausbildung organisiert. Dort gab es auch eine Sektion „Funksport“ und als „Strippenzieher“ war man nahezu automatisch dabei. Es gab u.a. Geländespiele mit Feldtelefonen und ganz nebenbei wurden Kenntnisse im Betriebsdienst und natürlich das Morsealphabet vermittelt. Die Ausbilder waren selbstverständlich auch Funkamateure.

  1. Was fasziniert Sie am Funken?

Die Möglichkeit mit relativ geringem technischen Aufwand weltweit Funkkontakte herstellen zu können. Dies kann man auch gut mit Aktivitäten in der Natur verbinden. Ein kleines Funkgerät mit Akku, eine Morsetaste und eine einfache Drahtantenne – der Spaß kann beginnen. Es ist immer wieder spannend, weil man vorher nie weiß, mit welchem Land oder mit welchem Funkamateur Kontakte zustande kommen. Oftmals trifft man auch „alte Bekannte“ zu einem Plausch.

Außerdem begeistert mich der Facettenreichtum. Es sind eben nicht nur alte Männer mit komischen Hüten (okay, die gibt es auch) sondern das Hobby Amateurfunk vermag auch junge Leute mit zahlreichen, modernen Kommunikationsmöglichkeiten in seinen Bann zu ziehen. Für viele Jugendliche war und ist der Amateurfunk der Start in eine Karriere als Ingenieur oder Techniker.

  1. Vor wenigen Monaten erreichte uns eine Anfrage von Ihnen, in der Sie sich als lizenzierter Funkamateur vorstellen. Was ist / was macht ein Funkamateur?

Es sind Männer, Frauen und Jugendliche, die sich als Hobby mit dem Amateurfunk geschäftigen. In Deutschland gibt es über 60.000 Funkamateure, weltweit sind es etwa dreieinhalb Millionen. Sie haben eine Lizenzprüfung abgelegt und sind somit berechtigt auf den freigegebenen Frequenzen, entsprechend den nationalen Bestimmungen, am internationalen Amateurfunkdienst teilzunehmen. Es können Funkverbindungen in Morsetelegrafie, Sprechfunk oder Digitalfunk (Computerbasierte Übertragung von Text, Bild- oder Videodaten) hergestellt werden. Dabei sind auch Kontakte über einen Amateurfunksatellit, mit der ISS oder sogar über den Mond als Reflektor möglich. Im Gegensatz zum „Jedermannfunk“ (CB, Freenet oder PMR) ist der Funkamateur berechtigt seine Funkanlage und Antennen selbst zu bauen oder diese für seine Anforderungen zu optimieren. Selbstverständlich unter Beachtung gesetzlicher Vorgaben. Der Amateurfunk ist ein Experimentalfunk mit sehr vielen Möglichkeiten, jedoch unter dem Ausschluss wirtschaftlicher Interessen. Ebenso spielen politische oder religiöse Aspekte im Amateurfunkverkehr keine Rolle.

  1. Für das Funken sind Sie lizenziert, was umfasst das Lizenzierungsverfahren und wie lange dauert die Lizenzierung?

Um eine Amateurfunklizenz zu bekommen muss man eine Prüfung ablegen. Dabei sind Kenntnisse in Technik, Betriebsdienst und Vorschriften nachzuweisen. In Deutschland gibt es gegenwärtig drei Lizenzklassen mit unterschiedlichen Leistungsanforderungen. Von den regionalen Ortsverbänden des Deutschen Amateur Radio-Clubs werden verschiedene Präsenz- oder Onlinekurse zur Vorbereitung auf die Prüfung angeboten. Ebenso gibt es umfangreiche Literatur und entsprechende Fragenkataloge. Die Dauer der Ausbildung ist individuell unterschiedlich und es gibt dafür keinen rechtlichen Rahmen. Die Abnahme der Prüfung zum Amateurfunkzeugnis wird in Deutschland von der Bundesnetzagentur durchgeführt.

  1. In ihrer Anfrage sendeten Sie uns die Vorlage einer Bestätigungskarte zu. Wofür werden solche Karten verwendet und was bedeuten Sie für den Funkverkehr?

Mit den sogenannten QSL-Karten werden wesentliche Daten (Name der Funkstation, Datum, Uhrzeit, Frequenz. Übertragungsverfahren und Signalrapport) dokumentiert, welche eine getätigte Funkverbindung nachweislich bestätigen. In der Vergangenheit waren diese Karten für den Erwerb von speziellen Auszeichnungen (Diplome) unabdingbar, außerdem gelten solche Karten als Nachweis über erreichte Länder des Funkamateurs. Obwohl es seit einiger Zeit bereits die Möglichkeit digitaler Bestätigungen für Funkverbindungen besteht, stellen diese Papierdokumente für mich eine Besonderheit mit einem hohem Erinnerungswert an schöne Funkverbindungen dar.

  1. Auf dieser Vorlage war auch ein roter Schriftzug zu finden. Was hat es mit diesem auf sich?

Bei diesem Schriftzug handelt es sich um mein persönliches Amateurfunk-Rufzeichen, welches mir durch die zuständige Prüfungsbehörde zugeteilt wurde. Es ist Name meiner Funkstation und ist verpflichtend bei der Teilnahme am Amateurfunkdienst zu verwenden. Es ist weltweit einmalig und somit eindeutig meiner Person zuordenbar. Die Rufzeichen gelten als Identifikation der Funkstelle (was übrigens in der Luftfahrt und der Schifffahrt ebenfalls üblich ist) und lassen Aussagen über die Herkunft bzw. den Standort des jeweiligen Inhabers zu. So ist beispielsweise Deutschland der Rufzeichenblock DA bis DR zugeteilt, der sog. Präfix. Die Ziffer kennzeichnet eine Amateurfunkstelle und die folgenden Buchstaben, sog. Suffix, stellen die individuelle Unterscheidung dar.

Vielen Dank für das Interview.

Mit freundlichen Grüßen

Falko Kohorst - DL2LQC und die Städtische Museen Lützen